20 September 2016 17:15 | Piazza San Francesco

Rede von Din Syamsuddin



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Din Syamsuddin

Präsident des Ulema-Rates, Indonesien
 biografie

Seine Heiligkeit,
ehrenwerte Vertreter der Gemeinschaft Sant´Egidio,
alle Freunde.

Es ist für mich eine große Ehre, die Stimme des Islam auf diesen Platz zu bringen, wo sich Männer und Frauen verschiedenen Glaubens vereint haben, gedrängt von einem authentischen Durst nach Frieden.

In einer solch schwierigen Zeit, wie der heutigen, die Durst nach Frieden hat, aber unter dem Drama von Gewalt und Terrorismus steht, brauchen wir mehr denn je eine Union von Frauen und Männern der Religionen, um eine Welt in Frieden aufzubauen. Deshalb gehen wir seit Jahren auf dem Weg des Dialos und des Zusammenwirkens zwischen den Gläubigen im Geist von Assisi.

In diesen von der Gemeinschaft Sant'Egidio organisierten Treffen, an denen wir seit vielen Jahren teilnehmen, haben wir einen Dialog des Lebens entwickelt, der konkrete Früchte der Zusammenarbeit für den Frieden bringt. Eine dieser Frucht war die gemeinsame Arbeit zwischen den Muhammaddiyah, einer der größten muslimischen Vereinigungen, deren Präsident ich für über zehn Jahre war, und der Gemeinschaft Sant'Egidio während eines Friedensprozesses in der Region Mindanao, im Süden der Philippinen.

Indonesien, jene Nation mit dem weltweit größten muslimischen Bevölkerungsanteil, legt davon Zeugnis ab: Wir sind ein Land, das auf die Doktrin von Panchasila gegründet ist bzw. auf die Einheit in der Verschiedenheit der Ethnien, der Religionen und Kulturen. Wir glauben nicht, dass die Unterschiede ein Grund für Trennung ist, sondern vielmehr werden diese Unterschiede zu einer Quelle unseres Reichtums. Wir glauben an den Pluralismus, der im Herzen des Islam ist.

Der Islam ist - dies möchte ich hier, heute, feierlich wiederholen - ist eine Religion des Friedens. Gott hat die Menschen unterschiedlich geschaffen, sagt der Heilige Koran, damit sie sich schätzen und aus den Unterschieden gegenseitig bereichern können. Es existieren heute Gruppen, die den Namen des Islam dazu verwenden, Gewalttaten zu begehen. Und es liegt in der Verwantwortung von uns Muslimen, zusammenzuarbeiten, um allen das wahre Gesicht unseres Glaubens zu zeigen. Deshalb müssen wir neue Bereiche der Zusammenarbeit und Kooperation finden, und insbesondere Seite an Seite arbeiten mit der Gemeinschaft Sant´Egidio, mit den Jugendlichen, um dem Aufkommen von Phänomenen des Fanatismus und der Gewalt entgegenzuwirken.

Während wir uns heute an diesen Weg der 30 Jahre des Dialogs und der Freundschaft erinnern, blicken wir auf eine gemeinsame Zukunft und betonen, dass dies unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung ist: Wir werden diesen Geist von Assisi auf die Straßen unserer Länder bringen, wir werden ihn den Jugendlichen lehren, um eine plurale Welt zu fördern, die reich an unseren Unterschieden ist. Dies ist unser Weg für den Frieden, und wir werden ihn gemeinsam mit euch gehen.