11 September 2023 16:00 | Hilton Hotel

Rede von Avichai Apel



Deel Op

Avichai Apel

Rabbijn van Frankfurt, Duitsland
 biografie
Das Wort G“ttes hat eine ganz wichtige Rolle im Religionsverständnis. Die Religion bekommt ihre einzigartige Identität durch das Gespräch und Kommunikation, die zwischen dem Menschen und G“tt stattfinden. Indem ein physisches Geschöpf mit dem nicht physischen G“tt spricht und kommuniziert, bekommt diese Person ihr Recht auf Autorität gegenüber den Gläubigen. 
 
Obwohl wir von Anfang und bis zum Ende der jüdischen Bibel - des Tanachs, der die Thora, Bücher der Propheten und Schriften zusammengefasst, immer die Worte der Propheten hören, sind wir aber von der Thora beauftragt, diese Sprecher zu überprüfen, ob sie G“ttes Wort bringen oder ob es sich um Lügner geht. In Dwarim (5. Buch Moses) 18,21-22 stellt uns die Thora eine sehr menschliche Frage:
 
„Falls du in deinem Herzen fragst, wie kann ich wissen, ob es G“ttes Worte sind?  Was die Person im Namen G“ttes spricht, und das Wort trifft nicht ein, das ist das Wort, welches G“tt nicht gesprochen hat“.
 
Die Thora erwartet von uns, nicht jeden, der im Namen G“ttes spricht, sofort zu akzeptieren. Der Prophet hat erstmal Prüfungen zu bestehen, hat er sie bestanden, folgen wir seinen Worten.
 
Nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem und dem Siegel des Tanachs musste man das Wort G“ttes weiter verkünden, allerdings war nicht immer klar, was ER in dem einem oder anderen Fall sagte. Im Babylonischen Talmud, einer Reihe von Büchern, die Diskussionen zwischen den Thora-Schülern dokumentieren, wird ein berühmter Fall erwähnt, wo zwei Rabbiner diskutieren, bis einer von ihnen die Geduld verliert und nach G“ttes Hilfe sucht, um seine Meinung zu bestätigen.
 
Ein Rabbiner namens Rabbi Eliezer versuchte seine Meinung zu beweisen. Dafür rief er zur Himmlischen Hilfe, indem er einen Baum seinen Ort wechseln, das Wasser im Wassertunnel verkehrt fließen und die Wände des Lehrhauses runterfallen ließ. Rabbi Jehushua gefiel das nicht, und auch nachdem die Stimme vom Himmel bestätigte, dass Rabbi Eliezer recht hatte, rief Rabbi Jehoshua – Die Thora ist nicht mehr im Himmel!!! Seitdem wir die Thora am Berg Sinai bekommen haben, werden die Entscheidungen nicht im Himmel getroffen, sondern wir haben nach bestimmten Regeln der Thora zu entscheiden.  
 
Diese Geschichte erklärt uns, dass G“ttes Wort nicht mehr durch Prophezeiung zu bekommen ist, sondern die Weisheit ist jetzt gefragt. Lernen und Wissen, Verstehen und Forschen sind die neuen Methoden, um G“ttes Wort zu erfahren.
 
Rabbi Jehoshua betont für uns den Bedarf, durch den menschlichen Verstand Worte und Entscheidungen zu prüfen und positiv zu kritisieren, bis wir die Wahrheit finden. 
 
Unsere Lernmethode hat das Ziel, uns Mut und Kraft zu geben, das Gesprochene zu prüfen, damit wir keinen blinden Glauben haben. Es fordert uns zum ständigen Meinungsaustausch und Auseinandersetzung heraus, hilft uns aber, die Wahrheit zu entdecken und Menschen nicht nur auf Grund deren Aussagen zu folgen. Dadurch kann jeder die Wahrheit für sich entdecken und ihr folgen.
 
In allen Religionen findet ständige Diskussion zwischen den unterschiedlichen Strömungen über G“ttes Wort und dessen Umsetzung statt. Je fundamentalistischer die Strömung ist, umso sicher ist sie, dass nur sie im Besitz der alleinigen Wahrheit ist.  Durch Annullierung aller anderen Strömungen und Religionen, da sie nicht deren Wahrheit folgen, steigt die Gefahr von Gewalttätigkeit. 
 
Das Judentum bietet unterschiedliche Möglichkeiten, G“ttes Wort zu hören. Die 613 Gebote und Verbote existieren damals wie heute und werden sich nicht verändern. Sie geben uns Richtlinien zu unserem Umgang mit unterschiedlichen Situationen unseres Lebens. Dazu zählt auch die mündliche Überlieferung der Thora, die in den Quellen wie Babylonischer Talmud gesammelt sind.
 
Gebote und Verbote sind sehr explizit. Man soll seine Eltern ehren. Man achtet auf Frieden in der Gesellschaft und man ruht am siebten Tag. Es sind klare Gesetze, und wenn man ihnen folgt, hat man dazu genaue Regeln, um sie einzuhalten.
 
Darüber hinaus gibt es unsere Werte, die wir sowohl durch die Erzählungen der Thora und Propheten, als auch durch G“ttes Aussagen entdecken und denen wir folgen sollen. Diese Werte betreffen unserer Eigenschaften wie z.B. „Tue, was recht und gut ist“. (Dwarim 6,18). Es ist eine allgemeine Aussage und Erwartung, dass wir gut zu einander und miteinander sind. 
 
Genau diese Art von G“ttes Wort muss von uns verstärkt werden. Auf solche Werte wie Gastfreundlichkeit, Respekt zu einander, Freundlichkeit, Friedlichkeit und vieles mehr müssen wir uns orientieren und bei uns fest verankern, um in einer besseren Welt zu leben.
 
 
 
Wir Menschen sind G“ttes Geschöpfe, die sich im ständigen inneren Streit befinden, um zu entscheiden, wie wir uns zu benehmen haben. Bildung und vorbildliche Menschen helfen uns, diese Entscheidungen zu treffen. Nun fragt man sich, welche Entscheidungen richtig sind? Nach welchen Werten habe ich meine Entscheidung zu treffen?
 
Kriminelle treffen Entscheidungen auf der Grundlage von Machtüberlegungen.
 
Verbrecher treffen Entscheidungen ausgehend von ihrer Gier nach Reichtum.
 
Länder streiten um Territorien und Bodenschätze.
 
Frauen werden sexuell belastet und Kinder müssen in Schutz genommen werden, um nicht - G“tt behüte - in Hände von kranken Pädophilen zu kommen. 
 
All die oben genannten Fälle sind für uns alle hier im Saal selbstverständlich unmögliche und unmenschliche Entscheidungen, die die Rechte von anderen Menschen verletzen.
 
In manchen Orten und Gesellschaften wird es aber leider auf unterschiedliche Art und Weise geduldet, unter den Teppich gekehrt oder nicht als Schlimme Sache gesehen. 
 
Dennoch weiß jeder von uns, dass wir es nicht nur nicht dulden wollen, sondern eine Gesunde Gesellschaft schaffen wollen, wo so etwas gar nicht stattfinden kann.
 
Die Zehn Gebote sind nur ein kleines Beispiel für G“ttes Wort, das die immer aktuell bleiben wird. Nicht töten und nicht stehlen und somit die Rechte des Nächsten beachten und keine falsche Macht über andere Menschen ausüben. Nicht fremd gehen und damit die Familieneinheit bewahren. Und es geht nicht nur um das Vertrauen zwischen den Ehepartnern, sondern um das Familienbild, Liebe und Respekt, dass deren Kindern als Lebensvorstellung mitbekommen.
 
Es sind unzählbare Regeln in dre Thora, die uns beibringen, wie wir mit unseren Nächsten umgehen müssen. Die Grundregel dafür ist das bekannteste Gebot: Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst! Das durch Hillel, einen Rabbiner im Babylonischen Talmud erklärt wurde, „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg' auch keinem andern zu“. Kranke und arme Menschen gibt es überall auf der Welt, in allen Ländern und alle Religionen. Wie hätten wir uns gegenüber diesen Menschen benommen ohne G“ttes Wort? Hätten wir Sie als Last gesehen? Als Störung? Hätten wir versucht diesen Menschen zu helfen? G“ttes Wort ist in diesem Bereich existenziell wichtig um ihre Rechte und das allgemeine Recht auf Leben zu behalten.
 
Unser Gewissen braucht eine Orientierung, die es durch die Heiligen Schriften bekommt.
 
Je mehr wir uns nach diesen Werten orientieren, umso eine bessere Gesellschaft und Menschen werden wir haben.